Tag der Fans: Testspielniederlage, Gedenkveranstaltung und gute Stimmung

Regen gehört irgendwie zum Fußball in Bremen dazu. So setzte auch beim “Tag der Fans” am 11. August 2018 zweitweise “Werder-Wetter” ein. Allerdings blieb es am vergangenen Samstag weitgehend trocken und zeitweise lachte sogar die Sonne über dem Osterdeich. So waren die Rahmenbedingungen wirklich in Ordnung, um bei den zahlreichen Ständen am Tag der Fans vorbeizuschauen, wo für alle Altersgruppen Aktivitäten wie Torwand- oder Freistoßschießen angeboten wurden. Die Autogrammjäger kamen auch auf ihre Kosten.

Auch für die ganz kleinen Werder-Fans war etwas dabei, von einer Hüpfburg, über Malstationen bis zum Entenangeln. Die Preise für die Verpflegung waren außerhalb des Stadions fair – und könnten damit Vorbild für das Weserstadion selbst sein, wenn die Catering-Verträge wieder neu ausgeschrieben werden.

Vor Ort war auch die Meistermannschaft der Grün-Weißen aus der Saison 1992/93 misamt “König Otto” Rehhagel. Für die geschätzt knapp 30.000 Besucher wurde also viel geboten – so auch für einige Mitglieder unseres Fanclubs, die an diesem Tag am Weserstadion dabei waren.

Hauptattraktion des Tages war das Testspiel gegen Villarreal CF aus Spanien. Die Partie verlor Werder vor 24.000 Besuchern nach Führung durch Max Kruse (toller Lupfer aus 20 Metern) und 2:2-Ausgleich durch Köln-Neuzugang Yuya Osako (Kopfball von einem der kleinsten Spieler bei Werder nach Flanke von Altmeister Claudio Pizarro) in der Schlußminute noch mit 2:3. Trotz der Unachtsamkeiten im Spiel, insbesondere in der zweiten Hälfte, machten viele Aktionen Lust auf die neue Saison. Zu der guten Stimmung trug auch die anschließend auf der Bühne vor der Ostkurve verkündete Vertragsverkägerung von Torhüter Jiri Pavlenka bei, dem sichersten Rückhalt seit Oliver Reck oder Frank Rost.

Der kostenlose Abstecher ins WUSEUM für alle Besucher des Testspiels lohnte sich an diesem Tag ebenso wie die bewegende Zeremonie um 12:30 Uhr anlässlich der Einweihung des Alfred-Ries-Platzes vor der Westkurve des Weserstadions. Der neu gestaltete Platz erinnert an Werders langjährigen Präsidenten, unter dem Werder ins Weserstadion umzog, sich in der Bundesliga etablierte, erstmals die Deutsche Meisterschaft errang und im Europapokal debütierte. Ries war daneben auch Geschäftsführer der Böttcherstraße, Mitglied bei Rotary, Mitbegründer des Deutschen Sportbundes (Vorläufer des DOSB), Vizepräsident des Deutschen Fußballbundes, Fürsprecher der Olympischen Spiele 1972 in München und Diplomat der Bundesrepublik Deutschland, zuletzt als Botschafter in Liberia. Ries verließ Deutschland 1933 nach Erstarken der Nationalsozialisten, da er Jude war. Nach dem Krieg kehrte er zurück. Seine Eltern wurden in Theresienstadt ermordet. An sie erinnern heute zwei Stolpersteine an der Ecke Parkstraße/Schwachhauser Heerstraße in Bremen.

Das Gedenken an Alfred Ries wurde 2017 intensiviert, als Werder-Fans sich unter dem Dach des Fanprojektes Bremen und Leitung von Thomas Hafke auf Spurensuche begaben und in Archiven, Zeitzeugengesprächen und Literaturrecherche Informationen über Alfred Ries zusammentrugen und daraus eine Broschüre entwickelten, die anlässlich des 120. Geburtstages bzw. 50. Todestages von Alfred Ries veröffentlicht wurde. Die Publikation geht inhaltlich über das hinaus, was bereits früher über Alfred Ries veröffentlicht wurde. Besonders anschaulich ist die Broschüre aufgrund der Bilder aus dem Privatbestand der Witwe von Alfred Ries, seiner Frau Hilde Ries. Passend zur Herausgabe der Broschüre wurde eine Gedenktafel am Grab von Ries auf dem jüdischen Friedhof in Bremen-Hastedt angebracht. Mit der Enthüllung des Straßenschildes “Alfred Ries-Platz” wird die Erinnerung an Ries neben dem WUSEUM nun auch vor der Westkurve des Weserstadions hochgehalten.

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