Hände weg von der Fankultur: Keine Reduzierung von Gästekarten beim Fußball

Faszination Fankurve hatte eine Idee, die uns auch sofort kam, als wir von der Idee der Innenminister hörten, Gästekartenkontingente weiter reduzieren zu wollen: Eine Petition gegen die Pläne starten!

IMG_3254Aktuell erhalten Gastvereine in der Fußball-Bundesliga mindestens zehn Prozent der Eintrittskarten für ihre Anhänger. Die Innenministerkonferenz (IMK) der Länder möchte diese Regelung aufweichen und die Anzahl der Gästetickets reduzieren. Das sind zumindest die Aussagen von NRW-Innenminister Ralf Jäger vor der aktuellen Sitzung der IMK in Koblenz. Nach den Plänen der Innenpolitiker sollen von dieser Regelung nicht nur sogenannte Risikospiele, sondern auch “normale” Partien betroffen sein, sofern die Polizei an diesen Spieltagen durch andere Veranstaltungen bereits ausgelastet sei.

Wir wollen – vereinsübergreifend – die Pläne der Innenminister stoppen. Wir wollen keine rechtlich fragwürdige Reduzierung von Gästekartenkontingenten und auch keinen Druck der Politik auf die Vereine und Verbände DFL und DFB, einer solchen Regelung zuzustimmen.

Wir wollen, dass die Fankultur und damit auch der Auswärtssupport mit vielen tausend Fans möglich bleibt. Wir wollen eine Bundesliga ohne pesonalisierte Tickets, ohne umfassende Überwachung, ohne massive Einschränkungen der Bürger- und Fanrechte, ohne vorgeschriebene Anreisewege, ohne Mobilitätseinschränkungen, Betretungsverbote, wohnortabhängige Kartenausgabe und rechtsstaatlich fragwürdige Datensammlungen über aktive Fußballfans.

Die Welt schaut begeistert auf die deutsche Fankultur im Fußball. Die Bundesliga ist bei Zuschauerzahlen und bei der Anzahl der Auswärtsfahrer Spitze. Die Stimmung in den Stadien sucht ihresgleichen. Mit Fanprojekten, Fanbeauftragten und der organisierten Selbstverwaltung der Fans bestehen Dialogstrukturen, die in vielen anderen Ländern noch Wunschdenken sind. Soziale Arbeit und Prävention sind im deutschen Fußball etabliert.

Die Vielfalt der Fankultur, von Ultras bis Kuttenfans, von Fanclubs bis Einzelanhänger, muss erhalten bleiben. Zur Fankultur gehören auch Auswärtsfahrten dazu. Eine weitere, willkürliche Reduzierung der Gästekarten bei Fußballspielen würde viele Fans von den Spielen ausschließen. Eine Reduzierung von Kartenkontingenten würde die große Mehrheit der friedlichen Fans in Sippenhaft nehmen für eine kleine Minderheit an Anhängern, die Gewalt und Vandalismus als Mittel der Auseinandesetzung wählen. Damit würde die Politik falsche Anreize für Solidarisierungseffekte setzen, anstatt Gewalttäter individuell zu sanktionieren. Kollektivstrafen, die dem deutschen Recht eigentlich fremd sind, sollten kein Alltag in der Bundesliga sein. Das sieht zum Glück auch die sachlichere der beiden Polizeigewerkschaften, die GdP, so.

Die Politik betont immer wieder, man müsse Gewalttäter aus den Stadien verdammen. Tatsächlich werden von der Innenministerkonferenz aber wiederholt Vorschläge unterbreitet, die alle Fans und damit primär die große Mehrheit der friedlichen Anhänger treffen. Zumeist werden entspreche Vorschläge der IMK in der Woche vor den Konferenzen öffentlich. Hier werden Vorurteile in populistischer Weise genutzt, um auf dem Rücken der Fans Politik zu machen.

Eine willkürliche und pauschale Reduzierung von Gästetickets würde aber auch neue Probleme schaffen: Engagierte Gästefans würden sich über Umwege vermehrt Karten außerhalb des Gästeblocks, wie es heute schon in der Bundesliga üblich ist, besorgen. Der Schwarzmarkt würde an Bedeutung gewinnen. Die Sicherheitslage wäre in diesem Szenario wahrscheinlich in der Regel ebenso unkritisch wie heute, jedoch für die Polizei unübersichtlicher. Da neben den Gästeblöcken in der Regel Heimsitzplätze liegen, würde es beim Ticketkauf vor potentiell ausverkauften Spielen dort zu Verdrängungseffekten kommen.

Eine Reduzierung der Gästekarten bedeutet Einnahmeausfälle der Vereine und greift in unzulässiger Weise in das Recht auf Vertragsfreiheit ein. Ein wichtiger Grund für die Klubs, der Idee der Innenminister nicht zu folgen. Wir appelieren an die Vereine, Druckmittel der IMK öffentlich zu machen und diese klar zu bennen und zurückzuweisen.

Nach den aktuellen Daten der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) geht die Anzahl der Vorkommnisse beim Fußball zurück, insbesondere die Zahl der Verletzten im Rahmen von Fußballspielen und sowie die der eingeleiteten Strafverfahren. Warum sollen bei dieser Entwicklung zusätzliche Restriktionen Platz finden, die zudem alle Fans und eben nicht nur Gewalttäter treffen? Mit dieser Pauschalisierung stellt man auch die Akzeptanz für wirklich notwendige Sicherheitsmaßnahmen im Fußball infrage.

Überstunden bei der Polizei könnten vielmehr durch defensivere und damit deeskalierender wirkende Kommunikation und besonnenere Einsatzplanungen abgebaut werden, wie diese gerade u.a. im Projekt SiKomFan erforscht werden. Zudem sollten Dialogstrukturen aller Beteiligten, insbesondere unter Einbeziehung der Fans, gestärkt werden. Leider wird Dialog oftmals nur in Sonntagsreden beschworen, aber oft nicht real nicht geführt. Das muss sich ändern.

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